Emder Thomas Brem auf der Triathlon-Langdistanz


Ein Erlebnisbericht von der Challenge Roth 2015
Für meine erste Triathlon-Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 km Rad und 42,195 km Laufen) habe ich bewusst die Challenge Roth gewählt. Nicht unbedingt weil es auch die Deutsche Meisterschaft auf der Triathlon-Langdistanz ist, sondern weil es der schönste und stimmungsvollste Triathlon in Deutschland ist. Über 5.000 Athleten aus 65 Ländern und ca. 250.000 Zuschauer machen die ganz besondere Stimmung aus. Sonntagmorgen 12. Juli 2015, 4:30 Uhr, auf dem Weg zum Schwimmstart stecke ich fest im Stau. Etwa 40.000 Zuschauer werden am Start erwartet und verwandeln die Atmosphäre dort zu einer ganz besonderen Stimmung. Angespannt und nervös verfolge ich den Start der Profis, versuche mich vorzubereiten. Die 3.500 Einzel- und 650 Staffelstarter werden in 20 Startgruppen mit je 200 Startern ins Wasser gelassen. Leider starte ich sehr spät in Startgruppe 16. Es gibt also sehr wenig Platz im Wasser und somit dauert es eine gefühlte Ewigkeit bis ich meinen Schwimmrhythmus finde. Das Schwimmen im Main-Donau-Kanal ist sehr schön, da ich an vielen Stellen bei jedem Atemzug die jubelnden Zuschauer sehe und höre. Nach 1:28 Std. erreiche ich den Schwimmausstieg und laufe wieder vorbei an den jubelnden Menschenmassen. Leider etwas langsamer als erhofft. Nach kurzem Wechsel geht es endlich aufs Rad. Die 90 km Radstrecke, die zweimal gefahren werden muss, ist sehr schön und schnell, mit Ihren 1.400 Höhenmetern aber auch kraftzehrend. Ich finde schnell einen guten Rhythmus und überhole einen Fahrer nach dem anderen. Nach 90 km, also am Ende der ersten Radrunde habe ich bereits 616 Athleten überholt. Das Zählen der überrundeten Fahrer ist eine nette Abwechslung im Wettkampf, da ich sonst nur auf die Daten des Radcomputers schaue und mich zu wenig auf mein Gefühl verlasse. Die Highlights der Strecke sind die Anstiege, an denen sich unzählige Menschen versammeln und „schreien“ mich den Anstieg hinauf –atemberaubend-. Dann das Highlight. Der Solarer Berg. Ich fahre bergauf durch eine „Wand“ von jubelnden Menschen. Laute Musikbeats betäuben meine Ohren. Ich schaue kurz auf meine Arme … Gänsehaut bei mittlerweile 28 Grad Außentemperatur – Wahnsinn- Genau deshalb starte ich hier in Roth! Auf der zweiten Radrunde wird der Wind viel stärker. Erinnerung an Ostfriesland. Nach 140 km nehme ich Tempo und Kraft heraus um meine Muskeln nicht „sauer“ zu fahren. Weniger ist manchmal mehr und der Weg ist noch lang. Nach 5:44 Std. komme ich erneut in die Wechselzone. Jetzt nur noch einen kleinen Marathon laufen. Zunächst finde ich einen guten Rhythmus doch nach ca. 12 km erste Anzeichen der Ermüdung. Bei km 15 an einem der vielen Anstiege dann der Tiefpunkt. Die Muskeln machen „dicht“, nichts geht mehr. Einen Tiefpunkt hatte ich erwartet beim Laufen, nur nicht so früh. Ich lege eine Gehpause ein, dehne die Beine. Das Laufen auf den Schotterwegen entlang des Main-Donau-Kanals ist anstrengend. Auf den langen geraden Wegen hat man das Gefühl, man bewegt sich keinen Meter vorwärts. Anders als auf der Radstrecke merke ich hier durch die Wälder rechts und links keinen Wind und das Thermometer im nächsten Ort zeigt 30 Grad an. Ab km 20 stelle ich um auf „Kopfkino“. Ich denke an besonders schöne Wettkämpfe und was ich dort empfunden habe. Ich denke an meinen ersten Marathon, den ersten Triathlon und das erste 24 Stunden-Radrennen. Ab Km 32 laufe ich nur noch gegen die Schmerzen. Eine erneute Gehpause, wieder muss ich die Beine dehnen. Alles tut weh. Wolken kommen auf, es ist nicht mehr so warm. Der Blick nur noch starr geradeaus. Die Schmerzen vergehen, aber das Finishen bleibt ein Leben lang. Dann endlich das Stadion mit dem Ziel. Ich erreiche ca. 500 Meter vor dem Ziel den roten Teppich. Die Schmerzen weichen der Freude und aus den Lautsprechern höre ich „Summer of 69“ von Bryan Adams. Mein Lieblings- Song aus meiner Jugend. Wieder Gänsehaut ! Ich laufe noch eine kurze Ehrenrunde durch das Stadion und erreiche nach 4:16 Std. Laufzeit das Ziel. In einer Gesamtzeit von 11:39:12 Std. belege ich Platz 1110 von ca. 3500 Startern und Platz 479 in der Deutschen Meisterschaftswertung.

Aber noch wichtiger ist… ich habe jede Sekunde dieser Veranstaltung genossen.